Zeitreise in der Oberpfalz
Sonntag, den 01. August 2010 um 16:18 Uhr
Die Zelte stehen, die Heringe sind sicher und fest im Boden verankert: Fast siebzig Jungen und Mädchen der Wettringer Pfadfinder im Alter von neun bis fünfzehn Jahren sind am Montagnachmittag im bayerischen Neumarkt in der Oberpfalz angekommen. Nach der überlangen Busfahrt konnte die Zeitreise von der Antike bis in die Zukunft nun endlich beginnen.
Zusammen mit fast dreißig Leitern, Hilfsleitern und natürlich dem dicken Gepäck für zwölf Tage haben sich die Wölflinge, Jungpfadfinder, Pfadfinder und Rover nun auch so richtig eingelebt. Schon in den ersten Tagen erlebten sie viele Sachen, die sie so zuhause sicherlich nicht gehabt hätten: Spaßige Abendshows wie beispielsweise „Ich bin ein Leiter, holt mich hier raus“, den traditionellen „Bannerklau“ (ein abenteuerliches Strategiespiel, das die ganze Nacht über dauert), einen ganztägigen Freibadbesuch oder das unübertreffliche Essen. Natürlich alles auf die diesjährige „Zeitreise“ abgestimmt. Denn wo im letzten Jahr das Programm ganz dem Motto „Weltreise“ entsprach, reisen die Kids in diesem Jahr in der Weltgeschichte herum. Deshalb erwartete sie auch bei der Ankunft direkt eine selbstgebaute Zeitmaschine, mit der sie in der täglichen Morgenrunde stets in die nächste Epoche reisen. Doch was eigentlich chronologisch ablaufen sollte, musste doch noch geändert werden. Zum Glück kennt die Spontaneität der Lagerküche dabei keine Grenzen, denn auch das übliche Festmahl ist immer auf die Zeit abgestimmt. So sind Namen wie „Piratenschmaus mit Seemannsgarn, Plünderwerk, Seemannsgarn und Möwenschiss“ als Spätzle mit Geschnetzeltem, Erbsen, Möhren und Quark nicht selten.
Schon am Mittwoch sollte der Plan aber umgeschmissen werden: Aufgrund der brüllenden Hitze mit weit mehr als dreißig Grad wäre das geplante Programm auf dem neuen Zeltplatz schon eine Zumutung gewesen. Deshalb wurde der für die kommende Woche geplante „Captain Future Day“ – eine Tagestour in das örtliche Spaß- und Freibad - gleich vorgezogen. So machte sich das gesamte Lager auf den Weg herunter in die Stadt. Und das sind immerhin 365 Stufen, denn ganz weit oben auf dem Mariahilfberg liegt die Residenz der abenteuerlichen Truppe. Und obwohl einige Leiter die Kinder immer wieder mit extrastarker Sonnenmilch besprühten, blieben die Kids von einem Übel aufgrund des Wassers nicht verschont: Sonnenbrand. Doch auch hier hatte die Lagerleitung die perfekte Lösung parat. Schnell besorgen die Einkäufer kiloweise Quark, der bekanntlich ein Wundermittel gegen die empfindliche Haut ist. Spontaneität war also wieder einmal gefragt und ist das wichtigste bei der Zeitreise mit fast siebzig Kindern. Das Chaos kann also weitergehen.
von Anne Münning

